Ohne Titel, Öl auf Leinwand, 1962, 130 x 120cm (Ausschnitt)


Ohne Titel, Öl auf Leinwand, 1970, 80 x 75cm (Ausschnitt)


Flächenraum perles, Öl auf Leinwand, 1991, 85 x 70cm (Ausschnitt)


Ohne Titel, Öl auf Leinwand, 1957, 80 x 66cm (Ausschnitt)


Ohne Titel, Öl auf Leinwand, 1968, 140 x 130 cm (Ausschnitt)


Flächenraum, Öl auf Leinwand, 1966, 130 x 120cm (Ausschnitt)


Bernd Berner

1930 - 2002

"Wir werden mehr und mehr zugedeckt von optischen und akustischen Belästigungen, wir sind betroffen, werden verletzt. Unsere Existenz ist bedroht von Verlogenheit, vom Talmi; nicht nur politisch werden wir manipuliert. Unser Leben wird immer stärker von obskuren Medien, von Interessengruppen bestimmt. Auch Kunst ist politisch, dennoch wäre es eine Illusion, wollte man meinen, mit Kunst ließen sich gesellschaftliche Veränderungen bewirken. Aber Kunst beinhaltet auch ein Vordenken, vermittelt Denkanstöße und manchmal auch Kritikfähigkeit. Was mir wichtiger erscheint, ist, dass Kunst allen (auch optischen) Überfütterungen unserer Zeit ein kontemplatives "Gegenüber" anbietet. Auch Kunst beunruhigt, stört, verletzt, führt aber – im besten Fall – den Menschen zu sich selbst, da ich dem Lauten misstraue, geht es mir um die Stille – welche sich manchmal als scheinbar zeigt."

– Bernd Berner 1994

Der in Hamburg geborene Maler Bernd Berner hat einen umfangreichen malerischen Nachlass mit 990 Gemälden aus allen Werkphasen hinterlassen, der mit Jahresbeginn von VAN HAM Art Estate gemanagt wird.

Bernd Berner zählt zu den wichtigsten Vertretern abstrakter Malerei der deutschen Nachkriegskunst. Bereits in jungen Jahren entwickelt er seinen individuellen Stil der Abstraktion, den er trotz ständiger Entwicklungen zeit seines Lebens beibehält. Ausgebildet zum Lithographen hegt Berner anfänglich eine große Begeisterung für die französischen Kubisten, insbesondere für Fernand Léger. Früh zieht es ihn nach Stuttgart zu Willi Baumeister, dessen 1947 erschienenes Buch "Das Unbekannte in der Kunst" für den jungen Künstler eine Offenbarung ist und ihn nachhaltig prägt. Im Zusammenspiel von Figur, Fläche und Raum und den Verflechtungen, die eine räumliche Ordnung im Bild ergeben, sieht Bernd Berner die große Herausforderung, der er sich immer wieder aufs Neue für seine künstlerische Entwicklung stellen wird.

Zunächst noch deutlich unter dem Einfluss von Baumeisters verschwinden Ende der 1950er Jahre die gerüstartig verschlungenen Formen in seinen Werken, es entstehen seine Farbfelder mit dynamischen und vielschichtigen Farbüberlagerungen, die eine deutliche Beziehung zum Informellen signalisieren. Ähnlich radikal wie Arnulf Rainer, Lothar Quinte oder Herbert Zangs aber doch viel stiller entwickelt Bernd Berner seine meist monochromen "Flächenräume".

Das Gleichgewicht zwischen Ruhe und Bewegung und eine Leuchtkraft der Farbigkeit schwingen in seinen Werken mit, es geht um das Nebeneinander von Chaos und Ordnung, Vielfalt und Einheit. Durch die Modulierung und Abstufung von Farbnuancen und Tonwerten gewinnt die Farbe in Berners Werken Wahrnehmungstiefe für seine Flächenräume.Gemeinsam mit Klaus-Jürgen Fischer, Eduard Micus, Erwin Bechtold und Rolf-Gunter Dienst gründet er 1965 die Künstlergruppe SYN, die die Idee einer ganzheitlichen Kunst jenseits der Festlegung eines Formalismus wie Konkreter Kunst, Op-Art, Tachismus oder Abstraktem Expressionismus vertreten. Bis zur Auflösung der Gruppe SYN fünf Jahre später bestreitet die Gruppe über 20 gemeinsame Ausstellungen. 1967 erhält Berner den Villa-Romana-Preis und arbeitet für ein Jahr in Florenz.

Auch nach der Auflösung dieser Gruppe bleibt Bernd Berner bei seinen Flächenräumen; unzählige übereinandergelegte Farbschichten, erzeugen Schwingungen in ihrer Wirkung und bilden den Tiefenraum. Seine Gemälde der 80er Jahre sind charakterisiert durch Farbrinnsale, die die oft strenge Komposition aufbrechen. Gegen 1988 entsteht eine weitere Werkgruppe, in denen er eine zusätzliche Flächenform integriert, die von einer strukturierten Farbform überlagert wird. Der Gestus wird insgesamt expressiver und offener, die Konturen der Flächen scheinen sich aufzulösen.